Evangelicher Kirchenbezirk Markgräflerland
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Gedanken zur Zeit

Mai 2012

Pfarrer
Dr. Alfred Klassen
 

"Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird."
1. Timotheus 4,4.

Stellen Sie sich vor, Sie schieben Ihren Einkaufswagen vor sich her. Sie greifen nach einem Lebensmittel und halten plötzlich inne, weil Sie denken: „Nein, das sollte ich nicht mitnehmen. Nicht, weil ich abnehmen will oder weil der Arzt es mir verbietet, sondern weil meine Glaubensüberzeugung dagegen spricht.“ Mir persönlich ist noch nie ein solcher Gedanke gekommen, und ich bin mir fast sicher, Ihnen ebenfalls nicht.

Der christliche Glaube, evangelisch oder katholisch, kennt bekanntlich kein grundsätzliches Verbot, ein bestimmtes Lebensmittel zu kaufen und zu essen. Wir Christen leben in dieser Hinsicht selbstverständlich mit der christlichen Freiheit. Und das ist gut so.

Deshalb strecken Sie Ihre Hand nach jenem Lebensmittel aus und legen es erwartungsvoll in den Wagen. Vieles andere kommt hinzu, der Einkaufswagen füllt sich. Sie gehen an die Kasse und bringen Ihren Einkauf mit guten Gefühlen nach Hause. Sie packen aus, stellen das Beste auf den Tisch und beginnen es zu verspeisen. Es schmeckt wunderbar.

Nein, Gott sei Dank, anders als in jener antiken Zeit verbietet der christliche Glaube kein Lebensmittel, doch was ist eigentlich mit der Dankbarkeit oder gar der Danksagung, wie es das Bibelwort ausdrückt. Wer von uns verspürt beim Betrachten der vielen Nahrungsmittel, die ihn im Einkaufsladen umgeben, Dankbarkeit gegenüber Gott? Wer spricht noch ein Dankgebet vor dem Essen? Wer macht sich klar, dass alles, was wir haben und sind, Gottes gute Gabe an uns Menschen ist, die er liebt?

Damals, als der 1. Brief an Timotheus geschrieben wurde, gab es Leute, die einige Nahrungsmittel aus religiösen Gründen für verboten hielten. Der Autor dieses Briefes spricht sich deutlich gegen diese Meinung und Praxis aus. Heute besteht unter Christen in dieser Hinsicht meist kein Problem, wohl aber steht die „Danksagung“ auf dem Spiel, die unsere Wohlstandsgesellschaft auch den Christen gründlich ausgetrieben hat.

Wir leben im Wohlstand und kritische Gedanken begleiten unser Leben. Und auch das ist gut so. Doch sollten wir deshalb das Danken vergessen oder es vielleicht sogar verlernen? Dann hätten wir wohl auch das Glücklichsein verlernt, denn nicht ganz unwahr erscheint, was Francis Bacon, englischer Philosoph und Staatsmann einmal treffend ausgedrückt hat: „Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Pfarrer Dr. Alfred Klassen

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