"Alles,
was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts
ist verwerflich, was mit Danksagung
empfangen wird."
1. Timotheus 4,4.
Stellen Sie sich
vor, Sie schieben Ihren Einkaufswagen vor
sich her. Sie greifen nach einem
Lebensmittel und halten plötzlich inne, weil
Sie denken: „Nein, das sollte ich nicht
mitnehmen. Nicht, weil ich abnehmen will
oder weil der Arzt es mir verbietet, sondern
weil meine Glaubensüberzeugung dagegen
spricht.“ Mir persönlich ist noch nie ein
solcher Gedanke gekommen, und ich bin mir
fast sicher, Ihnen ebenfalls nicht.
Der christliche Glaube, evangelisch oder
katholisch, kennt bekanntlich kein
grundsätzliches Verbot, ein bestimmtes
Lebensmittel zu kaufen und zu essen. Wir
Christen leben in dieser Hinsicht
selbstverständlich mit der christlichen
Freiheit. Und das ist gut so.
Deshalb strecken Sie Ihre Hand nach jenem
Lebensmittel aus und legen es erwartungsvoll
in den Wagen. Vieles andere kommt hinzu, der
Einkaufswagen füllt sich. Sie gehen an die
Kasse und bringen Ihren Einkauf mit guten
Gefühlen nach Hause. Sie packen aus, stellen
das Beste auf den Tisch und beginnen es zu
verspeisen. Es schmeckt wunderbar.
Nein, Gott sei Dank, anders als in jener
antiken Zeit verbietet der christliche
Glaube kein Lebensmittel, doch was ist
eigentlich mit der Dankbarkeit oder gar der
Danksagung, wie es das Bibelwort ausdrückt.
Wer von uns verspürt beim Betrachten der
vielen Nahrungsmittel, die ihn im
Einkaufsladen umgeben, Dankbarkeit gegenüber
Gott? Wer spricht noch ein Dankgebet vor dem
Essen? Wer macht sich klar, dass alles, was
wir haben und sind, Gottes gute Gabe an uns
Menschen ist, die er liebt?
Damals,
als der 1. Brief an Timotheus geschrieben
wurde, gab es Leute, die einige
Nahrungsmittel aus religiösen Gründen für
verboten hielten. Der Autor dieses Briefes
spricht sich deutlich gegen diese Meinung
und Praxis aus. Heute besteht unter Christen
in dieser Hinsicht meist kein Problem, wohl
aber steht die „Danksagung“ auf dem Spiel,
die unsere Wohlstandsgesellschaft auch den
Christen gründlich ausgetrieben hat.
Wir leben im Wohlstand und kritische
Gedanken begleiten unser Leben. Und auch das
ist gut so. Doch sollten wir deshalb das
Danken vergessen oder es vielleicht sogar
verlernen? Dann hätten wir wohl auch das
Glücklichsein verlernt, denn nicht ganz
unwahr erscheint, was Francis Bacon,
englischer Philosoph und Staatsmann einmal
treffend ausgedrückt hat: „Nicht die
Glücklichen sind dankbar. Es sind die
Dankbaren, die glücklich sind.“
Pfarrer Dr.
Alfred Klassen